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Jessica Hollfelder
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Eine der größten Veränderungen der Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) betrifft nicht Materialien oder Recyclingfähigkeit. Sie betrifft die Zuweisung von Verantwortung. Die PPWR macht deutlich:
Für viele Unternehmen ist dies der schwierigste Teil der PPWR. Sie zwingt Unternehmen dazu, jedes verpackte Produkt zu bewerten und ihre Rolle präzise zu definieren. Fehler bei dieser Einordnung können zu fehlenden Verpflichtungen, unvollständiger Dokumentation oder Verzögerungen bei der Markteinführung in der EU führen.
Die PPWR identifiziert vier zentrale Rollen, um festzulegen, wer wofür verantwortlich ist, wenn Verpackungen in der EU in Verkehr gebracht werden. In der Theorie sind diese Rollen einfach, in der Praxis jedoch komplex, denn ein einzelnes Unternehmen kann je nach Produkt unterschiedliche Rollen einnehmen.
Ein Produzent ist das Unternehmen, das Verpackungen unter seinem eigenen Namen oder seiner eigenen Marke auf den EU-Markt bringt. Dazu gehören auch Unternehmen, die Verpackungen für ihre eigenen Produkte entwerfen oder in Auftrag geben.
Beispiel: Ein Supermarkt bringt eine Eigenmarke für Pasta auf den Markt. Auch wenn ein externer Lieferant die Verpackung herstellt, ist der Supermarkt der Produzent, da seine Marke auf der Verpackung erscheint.
Ein Hersteller ist das Unternehmen, das die Verpackung physisch produziert. Es stellt das Verpackungsmaterial oder die Verpackungskomponente her, unabhängig davon, wer sie verkauft.
Beispiel: Ein Verpackungsunternehmen produziert Kartons für mehrere Marken. Es verkauft nicht die Produkte im Karton, ist aber als Hersteller der Verpackung eingestuft.
Ein Importeur bringt verpackte Waren aus einem Nicht-EU-Land in einen EU-Mitgliedstaat. Der Importeur ist dafür verantwortlich, dass die Verpackung die PPWR-Vorgaben erfüllt, bevor sie in der EU in Verkehr gebracht wird.
Beispiel: Ein europäischer Elektronikhändler kauft Kopfhörer von einem Lieferanten in China. Beim Eintritt der Ware in die EU wird der Händler zum Importeur und ist für die PPWR-Konformität der Verpackung verantwortlich.
Ein Händler bietet verpackte Waren innerhalb der EU an, ohne die Verpackung zu produzieren oder zu importieren. Er muss sicherstellen, dass die Verpackung konform ist und korrekt gekennzeichnet wird.
Beispiel: Ein Großhändler kauft verpackte Lebensmittel von einem Produzenten in Frankreich und verkauft sie an Geschäfte in Deutschland. Der Großhändler ist Händler, da er die Ware innerhalb der EU vertreibt, ohne sie zu vermarkten, zu entwerfen oder zu importieren.
Diese Rollen können sich überschneiden. Ein Einzelhändler mit Eigenmarken kann für einige Produkte Produzent sein, für andere Händler und für alle Waren aus Nicht-EU-Ländern Importeur. Deshalb verlangt die PPWR eine produktindividuelle Klassifizierung.
Eine falsche Einstufung führt zu unpassenden Compliance-Maßnahmen. Die PPWR weist den einzelnen Rollen unterschiedliche Pflichten zu, darunter:
Fehlerhafte Klassifizierungen schaffen Lücken, die von Behörden leicht erkannt werden. Zudem erschweren sie die Zusammenarbeit in der Lieferkette, da Verantwortlichkeiten unklar bleiben.
Der effektivste Weg zur Rolleneinstufung unter der PPWR ist, für jedes Produkt klare Fragen zu stellen:
Die konsequente Anwendung dieser Logik hilft Unternehmen zu verstehen, wo sie die volle Verantwortung tragen und wo ihre Rolle begrenzter ist. Viele Unternehmen werden feststellen, dass sich ihre Pflichten je nach Produktlinie, Region und Beschaffungsmodell unterscheiden.
Eine Supermarktkette verkauft Pasta unter ihrer Eigenmarke.
Damit trägt der Einzelhändler den Großteil der Compliance-Pflichten. Verkauft derselbe Supermarkt Markenpasta eines anderen Herstellers, ist er in der Regel Händler – es sei denn, er importiert die Ware aus einem Nicht-EU-Land oder verpackt sie neu. In diesen Fällen wird er Importeur und/oder Produzent der Verpackung.
Ein Online-Marktplatz versendet Produkte aus einem eigenen Lager.
Ein Unternehmen kauft verpackte Elektronikprodukte von einem Lieferanten in Asien.
Diese Beispiele zeigen, warum jedes Produkt einzeln bewertet werden muss – falsche Annahmen führen unter der PPWR zu Compliance-Fehlern.
Die PPWR macht es schwierig, Rollen und Verantwortlichkeiten im Blick zu behalten – insbesondere bei komplexen Lieferketten. Der osapiens HUB for Product Compliance vereinfacht diesen Prozess erheblich. Er führt Teams Schritt für Schritt durch alle Anforderungen, bündelt Rolleninformationen zentral und zeigt klar auf, was für jedes Produkt erforderlich ist. Mit transparenten Workflows und verknüpften Daten können Unternehmen PPWR-Aufgaben selbstbewusst steuern und entlang der gesamten Lieferkette regelkonform agieren.
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