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Jessica Hollfelder
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Das Vereinfachungspaket Omnibus I hat die europäische Landschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung grundlegend verändert. Berichtspflichten wurden reduziert, Zeitpläne angepasst und der Anwendungsbereich deutlich eingegrenzt. Für Unternehmen, die nun nicht mehr unter die gesetzlichen Berichtspflichten fallen, hat dies eine nachvollziehbare Frage aufgeworfen: Ist Nachhaltigkeitsberichterstattung überhaupt noch relevant?
Die Antwort lautet: ja, allerdings aus anderen Gründen als zuvor. Zwar hat der regulatorische Druck für Teile des Marktes nachgelassen, doch die Erwartungen von Investoren, Geschäftspartnern und Aufsichtsgremien bleiben hoch. Nachhaltigkeitsberichterstattung dient zunehmend nicht mehr primär der Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen. Vielmehr geht es darum, Transparenz zu schaffen, fundierte Entscheidungen zu unterstützen und die langfristige Widerstandsfähigkeit von Unternehmen zu stärken.
Das Omnibus-Nachhaltigkeits-Paket wurde eingeführt, um den europäischen Regulierungsrahmen im Bereich Nachhaltigkeit zu vereinfachen und die Komplexität für Unternehmen zu reduzieren. In der Praxis führte dies zu mehreren konkreten Änderungen, die sich unmittelbar auf die Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung auswirken.
Im Dezember 2025 verabschiedete das Europäische Parlament den finalen Text von Omnibus I im Einklang mit der zuvor erzielten vorläufigen Einigung mit dem Rat der Europäischen Union. Die formale Zustimmung des Rates wird Anfang 2026 erwartet.
Die wichtigsten Entscheidungen betreffen drei zentrale Nachhaltigkeitsregulierungen und deren Zeitpläne:
Insgesamt zielt das Omnibus-Paket darauf ab, regulatorische Komplexität und den Berichtsaufwand zu reduzieren, während die grundlegenden Erwartungen an Transparenz, das Management von Nachhaltigkeitsrisiken und entscheidungsrelevante Daten weitgehend unverändert bleiben.
Wichtig ist jedoch auch, was der Omnibus nicht verändert hat. Die Erwartungen von Investoren, Anforderungen von Geschäftspartnern, Finanzierungsbedingungen sowie der Bedarf von Vorständen und Aufsichtsgremien an verlässliche Nachhaltigkeitsdaten bestehen weiterhin. Der Bedarf an vergleichbaren und entscheidungsrelevanten Informationen nimmt kontinuierlich zu.
Mit dem Rückgang des regulatorischen Drucks wird Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend zu einer strategischen Entscheidung statt zu einer rein compliance-getriebenen Aufgabe. Unternehmen erhalten mehr Spielraum bei der Ausgestaltung ihrer Berichterstattung und mehr Möglichkeiten, Reporting gezielt als strategischen Hebel zu nutzen.
Für viele Organisationen rückt das Reporting näher an Finanzsteuerung, Risikomanagement und Unternehmensstrategie heran. Nachhaltigkeitsdaten werden verstärkt genutzt, um Transformationsrisiken zu bewerten und fundierte Investitionsentscheidungen zu unterstützen. In diesem Kontext entwickelt sich Berichterstattung von einer externen Offenlegungspflicht hin zu einer internen Managementkompetenz.
Der Omnibus verändert zudem die Landschaft der Berichtsstandards. Während ESRS für weiterhin berichtspflichtige Unternehmen relevant bleibt, prüfen andere Organisationen Alternativen wie ISSB, VSME oder ausgewählte freiwillige Standards, um internationale Vergleichbarkeit und entscheidungsrelevantes Reporting sicherzustellen.
Professor Andreas Rasche von der Copenhagen Business School zählt zu den führenden akademischen Stimmen Europas zu Corporate Sustainability, ESG und Regulierungen. Seine Arbeit verbindet wissenschaftliche Forschung mit unternehmerischer Praxis und öffentlicher Politik, mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeits-Governance und Sustainable Finance.
In seiner Einschätzung des Omnibus betont Rasche, dass regulatorische Vereinfachungen die strategische Bedeutung von Nachhaltigkeit nicht mindern. Wie er es formuliert:
„Nachhaltigkeit ist keine Frage der Compliance, sondern der langfristigen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.“
In einem ausführlichen Interview erläutert Andreas Rasche, was das Ergebnis des Omnibus für Unternehmen konkret bedeutet. Er erklärt, warum viele Organisationen trotz reduzierter Pflichten weiterhin strukturiert über Nachhaltigkeit berichten. Zudem zeigt er auf, wie Reporting Vertrauen und Planbarkeit unterstützt und warum Nachhaltigkeitsdaten zunehmend enger mit Finanz- und Risikomanagement verknüpft werden. Der Blick richtet sich auch nach vorn: Wie sich Berichtsrahmen weiterentwickeln könnten und vor welchen strategischen Entscheidungen Unternehmen künftig stehen.
Lesen Sie jetzt: „Nachhaltigkeit ist eine strategische Priorität – kein reines Reporting-Thema“

Der Omnibus markiert einen Wendepunkt für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa. Während sich regulatorische Anforderungen verändern, überprüfen Unternehmen neu, welchen Beitrag Reporting zu Resilienz, Governance und langfristiger Positionierung leisten kann.
Diese Fragen werden im kommenden Live-Webinar „Sustainability Reporting after the Omnibus“ (Englisch) mit Andreas Rasche und Experten von osapiens vertieft diskutiert. Grundlage ist eine neue europäische Studie mit Erkenntnissen aus 400 Unternehmen. Im Fokus steht, was nach dem Omnibus relevant bleibt, wie Organisationen zwischen ESRS, ISSB und freiwilligen Standards wählen und welche Bedeutung dies für Risikomanagement und strategische Entscheidungsprozesse hat.
Das Webinar findet am 24. Februar 2026 um 13:00 Uhr (CET) statt und richtet sich an Verantwortliche aus den Bereichen Nachhaltigkeit und ESG sowie an Fach- und Führungskräfte aus Strategie, Risiko, Finanzen, Reporting und Compliance.